Kommunalwahl Wietmarschen: FDP-Antworten im GN-Wahlcheck

Vor der Kommunalwahl am 13. September haben die Grafschafter Nachrichten alle Parteien und Wählergemeinschaften in der Gemeinde Wietmarschen um Stellungnahmen zu vier zentralen kommunalpolitischen Themen gebeten. Ziel der Redaktion ist es, die unterschiedlichen Positionen transparent nebeneinanderzustellen und der Meinungsbildung vor der Wahl eine sachliche Grundlage zu geben.

Wir haben gern geantwortet und veröffentlichen unsere Stellungnahmen hier zusätzlich im vollständigen Wortlaut. Denn was in der Zeitung aus Platzgründen gekürzt erscheinen kann, sollen Sie bei uns ungekürzt nachlesen können. Sie sehen damit genau, wofür die FDP Wietmarschen Neuenhaus steht, welche Lösungsansätze wir vorschlagen und woran wir uns nach der Wahl messen lassen wollen.

Wohnen in Wietmarschen und Lohne: Was geht künftig, was nicht? 

Die Freien Demokraten setzen sich in der Gemeinde Wietmarschen für möglichst freie Bau- und Entwicklungsmöglichkeiten ein, ohne dabei den Charakter der einzelnen Orte zu beeinträchtigen. Der Druck auf den Wohnungsmarkt hat durch die Entwicklung der Gemeinde in den letzten Jahren stark zugenommen. Deshalb setzen wir uns nicht nur für neue Baugebiete und eine Nachverdichtung in den Ortskernen ein, sondern auch für die bessere Nutzung bestehender Gebäude im Außenbereich, um  zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.  

Für junge Familien und Paare besteht darüber hinaus weiterhin großer Bedarf an ausgewiesenen Neubaugebieten. Insbesondere diesen Gruppen müssen Grundstücke in ausreichender Zahl angeboten werden, um den Traum vom eigenen Heim weiterhin ermöglichen zu können. Gleichzeitig sollten die Möglichkeiten einer verträglichen (Nach-)Verdichtung in gewachsenen und neuen Wohngebieten  genutzt werden, um auch in der Breite mehr Wohnraum zu schaffen.  

Dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum kann zudem durch die Ausweisung von Tiny-House-Grundstücken begegnet werden – nach dem Motto: so viel Platz wie möglich, so wenig wie nötig. Hierdurch kann auch Bevölkerungsteilen, die eine Verkleinerung des bestehenden Eigentums ansprechen, ein attraktives Angebot gemacht werden. 

Für uns Freie Demokraten ist es selbstverständlich, den Menschen bei ihren Bauvorhaben möglichst viel Gestaltungsfreiheit zu lassen. Übermäßige Beschränkungen führen häufig zu Frust und steigenden Kosten. Die Kombination aller genannten Maßnahmen kann dazu beitragen, den Wohnungsmarkt zu entlasten und einen übermäßigen Anstieg der Mietpreise zu verhindern. 

Landwirtschafts- und Gewerbeflächen: Sind die Konzepte noch zeitgemäß? 

Die Landwirtschaft ist in der Gemeinde und im Landkreis seit jeher ein bedeutender Wirtschafts- und Gesellschaftsfaktor. Deshalb sollten die Entwicklungen der vergangenen Jahre vor allem in ihrer Bedeutung für die gesamte Gesellschaft und als Beitrag zur Sicherstellung einer regional verankerten Strategie zur Lebensmittelversorgung verstanden werden. Das Konsumverhalten der Menschen zwingt viele landwirtschaftliche Betriebe zu Wachstum und effizienteren Strukturen. Diesen Wandel gilt es als Gemeinde zu unterstützen und zu begleiten.  

Gleichzeitig müssen die Folgen des Klimawandels mit Kreativität und Zusammenarbeit bewältigt werden. Ein Beispiel hierfür sind Stauwehre in Entwässerungsgräben, die ein verbessertes Wassermanagement ermöglichen können. Die Gemeinde sollte entsprechende Prozesse unterstützen, um auf jährlich veränderte Bedingungen (längere Nass- oder Trockenphasen) reagieren zu können.  

Die Ansiedlungen und Erweiterungen in den Gewerbegebieten der vergangenen Jahre sind erfreulich und belegen die Attraktivität der Gemeinde als Wirtschaftsstandort. Dennoch darf man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Vielmehr sollten weitere Möglichkeiten einer maßvollen Erweiterung geprüft werden. Dabei sollte der Blick nicht ausschließlich auf die Gewerbeflächen in Lohne an der A 31 gerichtet sein. Auch in Wietmarschen und den anderen Ortsteilen gilt es, Leerstände zu identifizieren und potenzielle Interessenten mit Eigentümern zusammenzubringen. Darüber hinaus bestehen dort ebenfalls Entwicklungsmöglichkeiten für neue Gewerbeansiedlungen.  

Ortskernentwicklung in Lohne und Wietmarschen: Wie können die Ortskerne attraktiv gestaltet werden?  

Die Ausgangssituationen in Lohne und Wietmarschen sind aufgrund ihrer historischen Entwicklung nur bedingt miteinander vergleichbar. Wietmarschen ist klassisch rund um das Kirchenumfeld gewachsen, während Lohne sich entlang von Hauptstraße und Westring entwickelt hat. Diese gewachsenen 

Strukturen lassen sich durch kommunale Maßnahmen nur begrenzt verändern. Da sich die meisten Gebäude in Privatbesitz befinden, können in der Regel lediglich ergänzende Angebote geschaffen werden. In Lohne tragen beispielsweise der Lohner See und der Lohner Sand zur Steigerung der Aufenthaltsqualität bei.  

In Wietmarschen eröffnet der Erwerb des Stiftsbuschs durch die Gemeinde eine einmalige Chance, den  Ortsteil nachhaltig für Wanderer und Radfahrer aufzuwerten sowie die Attraktivität des Marktplatzes und seines Umfelds zu steigern. Durch zusätzliche Schattenbereiche, Sitzgelegenheiten und Mitmachangebote könnten neue Impulse für die Ansiedlung weiterer Gastronomiebetriebe entstehen. Eine solche Entwicklung wäre ausdrücklich wünschenswert. Gleiches gilt für Lohne und die übrigen Ortsteile. Darüber hinaus ist eine kontinuierliche Pflege der kommunalen Flächen notwendig, um deren Attraktivität langfristig zu erhalten. 

Um Menschen für die Ortskerne zu begeistern, bedarf es außerdem eines attraktiven Kultur- und Veranstaltungsangebots für alle Altersgruppen. Zusätzliche Veranstaltungen können dazu beitragen, mehr Leben in die Dorferneuerung zu bringen und die Gemeinschaft zu stärken.  

Kleine Ortsteile: Wie können sie lebenswert bleiben und sich weiterentwickeln?  

Gerade in den kleineren Ortsteilen wird Gemeinschaft häufig besonders intensiv gelebt. Jeder Ort besitzt dabei seinen eigenen Charakter, den es zu bewahren gilt. Neue Entwicklungen sollten daher stets individuell betrachtet und nicht durch übermäßige Eingriffe beeinträchtigt werden. 

Im Rahmen unserer politischen Arbeit haben wir uns beispielsweise für eine Ortsdurchfahrt in Schwartenpohl eingesetzt. Darüber hinaus profitieren die kleineren Ortsteile von unserem Antrag zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums in Bestandsgebäuden im Außenbereich im Rahmen des Bauturbos. Dadurch können demografische Herausforderungen besser bewältigt werden. 

Um die Anliegen und Bedürfnisse der Einwohner stärker in die politische Arbeit einzubringen, könnte die Ernennung von Ortsvorstehern sinnvoll sein. Diese könnten als Ansprechpartner für die besonderen Sorgen und Interessen der Bürger fungieren, etwa bei Fragen der sicheren Beförderung von Kindern und Senioren, der Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs oder der Entwicklung von Konzepten zur Nahversorgung.  

Darüber hinaus kann die stärkere Einbindung der Ortsteile in gemeindeweite Veranstaltungen die touristische Attraktivität erhöhen, beispielsweise durch Rad- und Wandertouren. Unser Leitgedanke dabei lautet: Starke und lebendige Ortsteile bringen die gesamte Gemeinde voran – statt lediglich als Anhängsel wahrgenommen zu werden. 

Sie wollen mehr wissen?

Vier Themen sind ein Anfang – unser Programm für die Kommunalwahl geht deutlich weiter. Darin finden Sie unsere Positionen zu Wirtschaft und Infrastruktur, Bildung und Betreuung, Wohnen, Verwaltung, Vereinsleben und vielen weiteren Bereichen, die das Leben in unserer Gemeinde prägen. Konkret, nachvollziehbar und ohne Umwege formuliert.

Zum vollständigen Kommunalwahlprogramm der FDP Wietmarschen

Und wenn Ihnen etwas fehlt oder Sie anderer Meinung sind: Sprechen Sie uns an. Gute Kommunalpolitik entsteht im Gespräch – nicht am Schreibtisch.

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