Die Freien Demokraten legen ihr Programm für die Kommunalwahl am 13. September 2026 vor. Die Schwerpunkte: eine Verwaltung, die ermöglicht, sichere Schulwege, starke Betriebe – und Projekte, die nachvollziehbar finanziert und umgesetzt werden.

Die FDP Wietmarschen Neuenhaus hat ihr Programm zur Kommunalwahl 2026 veröffentlicht. Es ist ab sofort auf der Internetseite des Ortsverbands abrufbar und steht dort auch als PDF zum Download bereit.
Auffällig ist zunächst die Länge – oder besser: die Kürze. „Kommunalpolitik ist kein Ort für große Ideologien“, heißt es gleich zu Beginn des Programms. Es gehe um den Radweg, der sicher wird, die Kita, die rechtzeitig fertig wird, und den Antrag, der zügig beantwortet wird. Entsprechend verzichtet das Papier auf Grundsatzdebatten und benennt stattdessen konkrete Vorhaben für die kommende Wahlperiode.
Inhaltlich reichen die zwölf Kapitel von Verwaltung, Bildung und Wirtschaft über Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Wohnungsbau bis zu Ehrenamt, Feuerwehr, Pflege und Kommunalfinanzen. Zu den Vorschlägen gehören unter anderem ein Ein-Ansprechpartner-Prinzip für komplexe Verfahren und Unternehmen, Ablehnungsbescheide, die einen möglichen Lösungsweg mitliefern, sowie ein sichtbares Bau- und Kostencontrolling für öffentliche Projekte.
Bei Bildung und Mobilität setzen die Liberalen auf funktionierende Ausstattung und sichere Wege: digitale Technik, die im Unterricht läuft, statt im Schrank zu liegen, eine Sitzplatzgarantie im Schulbus, systematisch geplante Hol- und Bringzonen sowie das konsequente Schließen von Radwegelücken. Das Radverkehrskonzept in Neuenhaus soll nach angemessener Laufzeit ehrlich evaluiert werden.

Für Wirtschaft und Wohnen schlägt die FDP einen Mittelstandslotsen, verlässliche Genehmigungsverfahren, ein Programm „Jung kauft Alt“ und einen Infrastrukturcheck für neue Baugebiete vor. Beim Thema Umwelt steht der Hochwasserschutz an Dinkel und Vechte im Vordergrund – als Daueraufgabe, nicht als Reaktion auf den nächsten Ernstfall.
„Wir haben bewusst kein Wunschkonzert aufgeschrieben, sondern Punkte, an denen man uns messen kann. Vieles davon kostet kein Geld, sondern nur die Bereitschaft, Abläufe zu ändern. Und was Geld kostet, muss auch bezahlbar sein – deshalb steht am Ende ein ganzes Kapitel zu Prioritäten, Folgekosten und Projektcontrolling.“
Christian Rademaker, Ortsvorsitzender und Kandidat in Neuenhaus
Ein Beispiel dafür, dass Bewährtes übertragbar ist, sieht die FDP beim sogenannten Bauturbo: In Wietmarschen erleichtert er die Hofentwicklung und Wohnraum in Bestandsgebäuden im Außenbereich.
„Der Bauturbo ist bei uns in Wietmarschen kein Papiertiger, sondern gelebte Praxis – Höfe können sich weiterentwickeln, und vorhandene Gebäude werden wieder zu Wohnraum, statt leer zu stehen. Genau deshalb sollte die Samtgemeinde Neuenhaus ernsthaft prüfen, was davon übertragbar ist – und es dann auch umsetzen. Wer sieht, dass etwas beim Nachbarn funktioniert, muss das Rad nicht neu erfinden.“
Sebastian Buten, stellvertretender Ortsvorsitzender und Kandidat in Wietmarschen
Ein eigenes Kapitel widmet das Programm der Pflege, der Inklusion und dem selbstbestimmten Leben im Alter – mit Barrierefreiheit als festem Prüfpunkt bei Bauprojekten, einem Seniorenbeirat für Wietmarschen und besser auffindbaren Beratungsangeboten.
„Pflege findet zum allergrößten Teil zu Hause statt, und die Angehörigen tragen das meist still und ohne große Unterstützung. Die Kommune kann die Pflege nicht ersetzen, aber sie kann es leichter machen: ambulante Angebote stärken, Beratung sichtbar machen und dafür sorgen, dass sich niemand erst durch drei Zuständigkeiten telefonieren muss, um zu erfahren, welche Hilfe es vor Ort überhaupt gibt.“
Annina Semmelhaack, stellvertretende Ortsvorsitzende und Kandidatin in Neuenhaus
Das Programm schließt mit einem Versprechen: Ein Wahlprogramm, das nach der Wahl in der Schublade verschwindet, sei keine Zusage, sondern eine leere Ankündigung. Die Freien Demokraten wollen daran gemessen werden – „nicht nur am Wahltag, sondern jeden Tag danach“. Hinweise, Kritik und Ideen aus der Bürgerschaft seien ausdrücklich erwünscht.
