Zum Weltbienentag am 20. Mai und dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai macht der FDP-Ortsverband Wietmarschen-Neuenhaus deutlich: Artenvielfalt ist eine konkrete kommunale Aufgabe. In Neuenhaus und Wietmarschen gibt es bereits gute Ansätze – von Blühstreifen über insektenfreundliche Beete bis hin zu Moor- und Wiesenvogelschutz. Die Freien Demokraten wollen diese Projekte weiterdenken: pragmatisch, bezahlbar und gemeinsam mit den Menschen vor Ort.
Warum Biodiversität kommunalpolitisch wichtig ist
Bienen und Insekten sind keine Randerscheinung in unserer Natur – sie sind tragende Säulen funktionierender Ökosysteme. Ohne sie keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Ernte. Was abstrakt klingt, ist für Landwirte, Imker und Gärtner in der Grafschaft Bentheim tägliche Realität.
Aber Biodiversität betrifft weit mehr als Bienen allein. Sie hängt eng zusammen mit dem Wasserhaushalt, der Bodenqualität, dem Ortsbild und der Lebensqualität in unseren Dörfern. Gesunde Grünflächen, naturnahe Gewässerränder, intakte Moore und artenreiche Wegeränder sind kein Luxus – sie sind Teil einer widerstandsfähigen, lebenswerten Region.
Kommunen haben dabei mehr Handlungsmöglichkeiten, als oft angenommen wird. Straßenränder, Beete, Schulhöfe, Spielplätze, Kreisverkehre, Friedhöfe und kommunale Ausgleichsflächen liegen direkt im Einflussbereich der Gemeinden. Genau dort, auf den eigenen Flächen, sollte die öffentliche Hand vorangehen – bevor sie neue Vorschriften für andere erlässt.
Was vor Ort bereits passiert
In Neuenhaus und Wietmarschen wird bereits einiges getan. Das verdient Anerkennung – und ist ein guter Ausgangspunkt.
Neuenhaus: Blühstreifen, Beete und clevere Pflege

Die Samtgemeinde Neuenhaus hat am Eisvogelweg und am Laardiek zwei Blühstreifen mit regionalem Saatgut angelegt – zusammen rund 475 Meter Länge und 2.000 Quadratmeter Fläche. Das Projekt entstand in Kooperation mit der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim im Rahmen des Biotopverbundprojekts „BioGraf“. Wer heute an diesen Stellen vorbeigeht, sieht, was aus ungepflegten Wegesrändern werden kann: Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Begleitend wurden Saatguttütchen mit regionalen Wildblumenmischungen an Bürgerinnen und Bürger abgegeben – ein kleines, niedrigschwelliges Mitmachangebot, das funktioniert.
Neuere Maßnahmen aus den Jahren 2025 und 2026 zeigen, dass die Samtgemeinde diesen Kurs weiterführt: Im Wohngebiet Dapperskamp und an der Fuchsienstraße in Veldhausen wurden insektenfreundliche Staudenbeete angelegt – in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gartenbaubetrieb Brink Natürlich Grün. Das Besondere daran: Die Beete arbeiten mit Lavagranulat, das den Wasserbedarf der Pflanzen senkt, den Boden strukturiert und den Pflegeaufwand deutlich reduziert. Weniger Gießen, weniger Jäten, mehr Blüten. Das ist keine Symbolpolitik – das ist effiziente kommunale Praxis.

Grafschaft Bentheim: Neue Technik für die Wegerandpflege
Eines der ambitioniertesten Projekte der letzten Jahre ist das Gemeinschaftsvorhaben „Grafschafter Bauhöfe auf dem Niedersächsischen Weg“. Der Landkreis Grafschaft Bentheim und alle Gemeinden – darunter Neuenhaus und Wietmarschen – haben gemeinsam ein spezielles Mäh-Saug-Gerät beschafft. Der Clou: Statt die Ränder einfach zu mulchen, werden Gräser und Wildblumen mit Messerbalken geschnitten und das Schnittgut abgesaugt. So bleiben Samen und Kleinstlebewesen erhalten. Das Gerät kostet rund 530.000 Euro – davon tragen LEADER-Mittel knapp 490.000 Euro. Die frühen Rückmeldungen der Projektleitung sind positiv: Die Blütenvielfalt an behandelten Wegrändern nimmt bereits zu.
Das ist genau die Art von Innovation, die Artenschutz und kommunale Pflegepraxis zusammenbringt – ohne Verbote, ohne Bevormundung.
Wietmarschen: Wiesenvogelschutz, Moor- und Baumförderung
In Wietmarschen gibt es ebenfalls konkrete Ansätze. Das rund 90 Hektar große Wiesenvogelschutzgebiet östlich des Süd-Nord-Kanals zwischen Füchtenfeld und Wietmarschen wird extensiv bewirtschaftet: späte Mahd, keine Düngung, Wiedervernässung, keine Pflanzenschutzmittel. Das schafft Lebensraum für Kiebitz, Brachvogel und Uferschnepfe – Arten, die andernorts kaum noch zu finden sind. Ornithologen dokumentieren die Brutvogelzahlen jährlich; der Bestand gilt als stabil.
Parallel dazu läuft eine LEADER-geförderte Machbarkeitsstudie zum Dalum-Wietmarscher Moor, die Besucherlenkung, Umweltbildung und naturverträgliche Erschließung des Naturschutzgebiets plant. Moore sind nicht nur Lebensraum – sie regulieren den Wasserhaushalt, binden Kohlenstoff und bieten einzigartige Naturerlebnisse. Die Studie soll bis 2026 abgeschlossen sein.
Besonders hervorzuheben ist das Baumgutschein-Programm der Gemeinde Wietmarschen: Wer auf dem eigenen Grundstück einen tiefwurzelnden Baum pflanzt, erhält einen kommunalen Zuschuss von 75 Euro. Das Programm läuft seit 2022 und ist ein mustergültiges Beispiel für liberale Umweltpolitik: Anreize statt Vorschriften, Kooperation statt Kontrolle.

FDP-Einordnung: Gute Ansätze brauchen jetzt Systematik
All diese Projekte sind ein guter Anfang. Was ihnen bislang fehlt, ist ein roter Faden: ein kommunales Konzept, das Flächen systematisch erfasst, Maßnahmen auswertet und erfolgreiche Ansätze auf weitere Ortsteile überträgt.
„Die insektenfreundlichen Beete in der Samtgemeinde zeigen, dass ökologische Wirkung und geringerer Pflegeaufwand zusammenpassen können. Genau solche praktischen Lösungen wollen wir Freie Demokraten weiterdenken. Wir wollen wissen, welche Maßnahmen tatsächlich wirken – wie entwickelt sich die Fläche, wie hoch ist der Pflegeaufwand, wie profitieren Insekten und Ortsbild?“
Christian Rademaker, Ortsvorsitzender der Freien Demokraten Wietmarschen Neuenhaus
Für die Freien Demokraten ist dabei eines klar: Biodiversität im ländlichen Raum gelingt nicht gegen Landwirtschaft, Eigentümer und Bauhöfe – sondern nur mit ihnen. Flächeneigentümer, die Einschränkungen für das Gemeinwohl hinnehmen, dürfen damit nicht allein gelassen werden. Bewirtschaftungsauflagen müssen fair ausgeglichen werden. Ausgleichsflächen sollen ökologisch sinnvoll und praxistauglich geplant sein – nicht einfach dort abgeladen werden, wo landwirtschaftliche Fläche günstig verfügbar ist.
„Wer Artenvielfalt im ländlichen Raum wirklich stärken will, muss mit Landwirtschaft, Eigentümern und Vereinen sprechen – nicht über sie. Gute Planung beginnt mit dem Gespräch vor Ort, nicht mit der Verordnung von oben. Und gute Bepflanzung ist langlebig, standortgerecht und pflegeleicht – das spart der Kommune Geld und bringt echten Nutzen für Insekten.“
Daniel Ellerkamp, stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands und Garten- und Landschaftsbauer aus Schwartenpohl
Was jetzt folgen sollte
Die Freien Demokraten aus Wietmarschen und Neuenhaus schlagen ein konkretes Maßnahmenpaket vor – pragmatisch, bezahlbar und wirksam:
Kommunales Grünflächen- und Pflegekonzept Öffentliche Flächen sollen systematisch erfasst werden: Wo muss intensiv gepflegt werden? Wo sind Blühflächen, Hecken oder Staudenpflanzungen sinnvoll? Wo kann der Pflegeaufwand – und damit auch der Haushalt – entlastet werden?
Pilotflächen auswerten und ausrollen Die neuen Beete, Blühstreifen und Wegerandprojekte sollen nach einer Saison ausgewertet werden. Was funktioniert, wird auf weitere Ortsteile in Neuenhaus und Wietmarschen übertragen.
Insektenfreundliche Bepflanzung als Standard Bei neuen kommunalen Beeten und Sanierungen sollen bevorzugt standortgerechte, langlebige, pflegearme und insektenfreundliche Pflanzen eingesetzt werden – als Regel, nicht als Ausnahme.
Bürgerbeteiligung ausbauen Saatgutaktionen, Beetpatenschaften, Baumpatenschaften, Schulprojekte, Kooperationen mit Imkern und Beratung für Naturgärten sollen ausgebaut werden. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen mitmachen – die Kommunen sollten das erleichtern.
Anreize für private Begrünung prüfen Das Baumgutschein-Programm in Wietmarschen und das „Klimabaum“-Programm in Neuenhaus sind ein gutes Vorbild. Ähnliche Modelle könnten auch für insektenfreundliche Vorgärten, Regenwassernutzung oder Entsiegelung geprüft werden.
Biodiversität, Wasser und Klimaresilienz zusammendenken Regenwassernutzung, Moorentwicklung, Retentionsflächen und naturnahe Gewässerränder sind Schnittstellenthemen. Sie sollen gemeinsam geplant werden – auch im Kontext grenzüberschreitender Projekte wie „Moor ohne Grenzen“ und des EU-Projekts SpongeWorks in der Vechte-Region.
Bedarfsgerechte Düngung – auch mit regionalen Partnern Ohne gesunde Böden keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Bienen. Wo kommunale Beete und Blühflächen Nährstoffe brauchen, soll geprüft werden, ob organische Alternativen aus der Region genutzt werden können – etwa durch Kooperation mit Landwirten, die geeigneten Mist abzugeben haben.
Ausgleichsflächen transparent machen Bürgerinnen und Bürger sollen nachvollziehen können, welche Flächen aufgewertet werden, wie sie gepflegt werden und welche Wirkung das hat. Ausgleich, der keine erkennbare ökologische Wirkung entfaltet, nützt weder der Natur noch der Landwirtschaft.
Artenvielfalt vor Ort gemeinsam gestalten
Für die Freien Demokraten ist Biodiversität kein Thema für Symbolpolitik und auch kein Anlass für neue Verbotslisten. Es geht um konkrete Flächen, kluge Pflege, moderne Technik, gute Zusammenarbeit und nachvollziehbare Wirkung.
Neuenhaus und Wietmarschen haben bewiesen, dass ländliche Kommunen Artenschutz praktisch denken können – mit Bauhöfen, Fachbetrieben, Naturschutzverbänden, Imkern, Landwirtschaft und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Jetzt kommt es darauf an, aus guten Einzelprojekten ein systematisches, bürgernahes und bezahlbares Konzept für mehr Artenvielfalt vor Ort zu machen.
Das ist keine große Ideologie. Das ist gute Kommunalpolitik.
